Zerschreddert die Deckblätter

Ich weiß nicht, wann es Mode wurde Deckblätter bei Bewerbungsunterlagen zu kreieren. Hübsch gestaltete Mappen mit Deckblatt, Bewerbungsschreiben, Lebenslauf und auch noch einer sogenannten dritten Seite wurden irgendwann Mode; so Mode, dass diese zweifelsohne aufwändigen Unterlagen auch in Bewerbungstrainings und in den diversen Karriereberatern übernommen wurden. Frei nach dem Prinzip „Dress To Impress“ werden seither komplette Bewerbungsmappen hergestellt, egal ob sich die Kandidat*innen für eine gehobene Position oder als Reinigungskraft oder als Mitarbeiter*in im Sicherheitsdienst bewerben.

Dies ist natürlich überzogen. Niemand erwartet bei der Bewerbung als Wachmann oder Sicherheitsdienstmitarbeiter*in, dass umfangreiche und komplette Mappen übermittelt werden. Bei höherpreisigen Positionen oder im Bürobereich sind sie schon zielführender. Gerade bei Position im Assistenzbereich könnte ein Deckblatt auch eine Form der Arbeitsprobe sein. Die Preisfrage: Kann der oder die Kandidat*in halbwegs mit Textverarbeitung umgehen? Hat er oder sie ein grafisches Gespür?

Ein Blick in die Literatur

Ein Blick in die Literatur ist durchaus interessant. „Nach dem Anschreiben folgt das Deckblatt.“ Dieser Satz ist bemerkenswert, da das Deckblatt gemeinhin als Fassade oder Eingangsbereich für die kommenden Unterlagen dient. Der Autor dieses Satzes verortet das Deckblatt hinter das Anschreiben. Das ist bemerkenswert und eher unüblich. Kanning weiter in seinen Ausführungen:

Beim Deckblatt „gibt es nicht viel zu manipulieren. Es muss halt irgendwie schön aussehen, damit man den Personaler um den Finger wickeln kann. Üblicherweise findet man hier eine Art Betreffzeile, Name und ggf. Adressinformationen des Bewerbers und immer häufiger ein Foto. Wer eine Chance auf eine Einladung zum Einstellungsgespräch steigern möchte, kann das Deckblatt mit einem Sinnspruch versehen, der dem zukünftigen Arbeitgeber – sehr subtil – zu verstehen gibt, mit wem er es zu tun hat. Einzige Voraussetzung für diese Strategie ist, dass einem selbst nichts zu peinlich ist.“ (Kanning, Uwe Peter. Personalauswahl zwischen Anspruch und Wirklichkeit. 2015; Seite 16)

Peinlich

„Peinlich“ ist wirklich ein Stichwort. Eine Zeit lang bekam ich relativ häufig Unterlagen auf denen ein Zitat einer berühmten Person – mit Vorliebe Henry Ford oder Laotse – auf dem Deckblatt thronte. Ich fragte den Bewerber einfach, ob er wüsste wer Henry Ford sei. Die Antwort verblüffte mich in ihrer Ehrlichkeit. „Ich weiß es nicht. Mein Trainer im Bewerbungstraining hat das gemacht.“ Nun gut. So viel zu Zitaten und Sinnsprüchen auf dem Deckblatt. Sie sollten also bei verwendeten Zitaten zumindest wissen, wer der Autor oder die Autorin war – und erklären können, wieso Sie dieses Zitat verwendet haben.

Deckblatt alleine reicht nicht

Wenn Sie schon ein Deckblatt nutzen, sollten Sie unbedingt darauf achten, dass Ihre Kontaktdaten auch auf dem Lebenslauf und auf dem Bewerbungsschreiben zu finden sind. Viele „vergessen“ dies. Personalist*innen schauen sich sehr oft zunächst den Lebenslauf an und finden es dann mühsam auch noch ein Deckblatt auszudrucken.

Am Besten ist: Sie verzichten auf ein Deckblatt. Schicken Sie die Dokumente einzeln per Mail jeweils als PDF. Der Vorteil für die Personalist*innen und schlussendlich für Sie als Bewerber*in ist offensichtlich. Alle Unterlagen landen genau dort, wo sie hingehören und der Adressat oder die Adressatin kann sich die Unterlagen aussuchen, die er oder sie braucht. Zerschreddern Sie also ihre Deckblätter und vereinfachen Sie allen Beteiligten das Leben.

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