Wie Sie Bewerber*innen sofort vergraulen

Vor ein paar Jahren schrieb Andrea Lehky in “Die Presse” (Juni 2015) über die vielen Fehler, die Bewerber*innen beim Bewerbungsgespräch machen können. Ich fand die Serie sehr spannend, wunderte mich damals jedoch darüber, dass die Fehler von Personaler*innen und Recruiter*innen kaum aufscheinen würden. Andrea Lehky griff den Gedanken auf und veröffentlichte ein “Best of” ihrer und meiner Beobachtungen. Seitdem sind einige Jahre vergangen. Grund genug eine aktuelle Version des damaligen Artikels zu bringen:

Bild von Robin Higgins auf Pixabay
Bewerber!

Hier also die aktualisierten Top 20 aus “Wie Sie Bewerber*innen sofort vergraulen.”

  1. Rufen Sie Ihre Bewerber/in mehrfach vor dem Termin an. Fragen Sie mindestens dreimal nach, ob er oder sie auch wirklich zum Termin kommt.
  2. Weisen Sie bei der Einladung zum Bewerbungsgespräch unter keinen Umständen darauf hin, wie die Parkplatzsituation rund um Ihren Standort ist und welche öffentlichen Verkehrsmittel zu ihnen führen. Motzen Sie den Bewerber oder die Bewerberin an, wenn er oder sie kurz vor dem Termin anruft und sich entschuldigt, dass er oder sie sich verspäten wird.
  3. Wenn Ihr Bewerber oder Ihre Bewerberin anläutet, warten Sie ein paar Minuten ab. Nehmen Sie dann den Hörer für die Gegensprechanlage in die Hand und fragen Sie laut:”Wer ist da?”. Wenn Sie dies noch toppen wollen, bellen Sie ein unfreundliches “Wer stört?” in den Hörer.
  4. Nachdem Sie die Tür geöffnet und Ihren Bewerber oder Ihre Bewerberin empfangen haben, lassen Sie Ihn oder Sie länger als 15 Minuten ohne Angabe von Gründen warten. Am besten im Stehen.
  5. Begrüßen Sie ihn/sie mit den Worten: „Ach, da sind Sie ja!“
  6. Drücken Sie Ihren Bewerber*innen den Personalbogen in die Hand. Sie sollen ihn ausfüllen. Danach werfen Sie einen kurzen Blick auf den Bogen und verabschieden den oder die Bewerber*in mit einem: “Danke! Ihren Lebenslauf hab ich ja. Ich melde mich bei Ihnen.”
  7. Besonders für den Sommer: Während dem/der Bewerber/in schon die Futterseide seines/ihres Anzugs/Kostüms an der Haut klebt, tragen Sie Flip Flops, Bermudas oder leichte Sommerkleidchen.
  8. Begrüßen Sie Ihre/n Bewerber/in mit einer Kaffeetasse in der Hand (wahlweise auch mit einer Zigarette). Bieten Sie ihm/ihr aber kein Getränk an. Verschütten Sie stattdessen Ihren Kaffee über seiner/ihrer Kleidung oder seinen/ihren Unterlagen.
  9. Wählen Sie einen möglichst unbequemen Besprechungsraum, am besten in einem Durchgangszimmer.
  10. Bieten Sie dem/der Bewerber/in keinen Platz an. Er/sie soll sich selbst einen Sessel suchen. Am besten setzen Sie sich gleich hin und kramen in Ihren Dokumenten herum.
  11. Kramen Sie seinen/ihren Lebenslauf aus einem Stapel hervor und beginnen Sie, ihn laut vorzulesen. Kommentieren Sie jede einzelne Position etwa mit „Ah ja“ oder (noch besser) „Oh weh!“
  12. Legen Sie den Lebenslauf der Bewerber*innen gut sichtbar auf den Schreibtisch, so dass Ihr Gegenüber alle Anmerkungen, Totenköpfe, und alle bösen Kommentare, die Sie beim Durcharbeiten auf den Lebenslauf geschrieben haben, gut sehen kann.
  13. Heben Sie Ihr Handy ab, wenn es läutet. Antworten Sie auf die Frage des Anrufers/der Anruferin, ob er/sie störe: „Nein, ist ja nur ein Bewerbungsgespräch.“ Lassen Sie sich natürlich auch alle Telefonate am Festnetz durchstellen. Sie wollen ja vermitteln, wie wichtig Sie sind.
  14. Erzählen Sie ausführlich über die Firma und wie schwierig Ihre Arbeit ist. Lassen Sie auch an Ihrem Management kein gutes Haar.
  15. Alternativ: Erzählen Sie ausführlich über die Firma und geraten Sie so richtig ins Schwärmen. Beschreiben Sie Ihr Unternehmen als das wahre Paradies auf Erden. Achten Sie darauf, dass der oder die Bewerber*in möglichst wenig Redeanteile hat.
  16. Beschweren Sie sich darüber, wie schwierig es ist gutes Personal zu bekommen. Lassen Sie sich darüber aus, wie “Scheiße” die meisten Bewerbungen sind.
  17. Wenn Sie den letzten Arbeitgeber des Bewerbers oder der Bewerberin kennen: Outen Sie sich als Fan oder Gegner mit profundem Insiderwissen. Das macht ihn/sie sofort mundtot.
  18. Lassen Sie folgenden Satz fallen: „Sie haben sich als … beworben, so stand das auch im Inserat. Aber eigentlich suchen wir einen oder eine …“ (Passendes bitte einsetzen)
  19. Wundern Sie sich über – nein echauffieren Sie sich darüber, dass Ihr/eBewerber/in verärgert das Weite sucht.
  20. Nehmen Sie sich so richtig lang Zeit mit einer Rückmeldung – oder – noch besser – verzichten Sie komplett auf eine Rückmeldung.

Lesen Sie mehr:

Lesen Sie weiter: So vergraulen Sie Bewerber

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.