Weder “HR” noch “Head of…”

Eine Entgegnung auf Jakob Steinschadens Kommentar: “Hören wir bitte damit auf, den Begriff „Human Resources“ zu verwenden” vom 19. August 2020 auf trendingtopics.at

Jakob Steinschaden kommt in seinem Kommentar ziemlich breitbeinig daher, wenn er den Begriff HR einfach abschaffen will… Und um es gleich vorweg zu nehmen: “Gut so…”

“2020 hat vieles verändert, nur eines nicht. Nach wie vor sagen wir HR (sprich „Ääiitsch Aahr“), also kurz für Human Resources, zur Personalabteilung. Und dieser Begriff gefällt nicht vielen Menschen, zeichnet er doch ein mentales Bild des Großkonzerns, der menschliche Resourcen wie eine Ölquelle aussaugt und sich zu eigen macht. Humankapital neben Cash, Boden und Maschinen, als Werkzeug zur Wertschöpfung.” (Quelle)

Es stimmt schon: Menschen sind keine Resourcen und Personaldienstleister verleihen kein Personal. Beides impliziert, dass Mitarbeiter*innen als Gegenstände angesehen kann. Denn wer “Resourcen” sagt, sagt auch “ausbeuten” und wer “verleihen” sagt, meint auch “abnutzen”. Beides sind Bedeutungsfelder, die wir als Personalist*innen oder wie auch immer wie uns bezeichnen, nicht bedienen sollten.

In diesem Punkt stimme ich dem Autor der oben zitierten Zeilen vollinhaltlich zu. Dass der Begriff “Humankapital” im Jahre 2005 – also vor 15 Jahren – zum Unwort des Jahres gewählt wurde und sich noch immer hält, macht die Sache auch nicht besser.

Aber warum alten Wein in neue Schläuche abfüllen…

Es ist eine Binsenwahrheit, dass der Mensch im Mittelpunkt des Unternehmens stehen soll und nicht nur seine bloße Arbeitskraft oder die FTE’s. Es ist ebenso wenig Neuland, dass wir im Personalbereich mit Menschen arbeiten. Allerdings ist die “Arbeit mit Menschen” wohl das Schwierigste, aber auch das Aufregendste, das es gibt. Zumindest für mich. Insofern sollte die Begrifflichkeit rund um die Berufsbezeichnung zur Tätigkeit passen. Steinschaden weiter:

“Insofern gefällt mir ganz gut, was sich so manche innovativere Unternehmen einfallen lassen, um nicht verstaubt Personalabteilung, aber auch nicht Human Resources sagen zu müssen. Am besten gefällt mir die Bezeichnung, die ein bekannter oberösterreichischer Digitalunternehmer den Posten für den neu zu besetzenden Personal-Manager gefunden hat: „Head of Talent, Team & Culture“. Oder wenn man es deutsch lieber hat: „Abteilung für Talente, Team und Firmenkultur“.”

Nennt die Kinder doch wieder beim Namen

Auch diesen Punkt möchte ich ein wenig ergänzen: Wieso müssen Unternehmen, die lediglich in den Landesgrenzen arbeiten und etwa Deutsch als Konzern- resp. Unternehmenssprache haben, mit englischen Begriffsbezeichnungen arbeiten? Außerdem sollte es in meiner kleinen Welt so sein, dass Personalist*innen (klingt vielleicht zu beamtisch und nicht schick genug) ENDLICH die Mogelpackungen unter den Berufsbezeichnungen in die runde Tonne des persönlichen Vertrauens treten und nicht ständig neue kreieren. Es macht den ausgeschriebenen Job auch nicht besser, wenn wir Filial- und Verkaufsmitarbeiter*innen als “Sales Assistant” bezeichnen. Daher ein Wunsch: Nennt doch die Kinder wieder beim Namen!

Korbinian Cartoon JOBBERIE Berufsbezeichnungen
Auch so kann man die Technik der Begriffsaufwertung nutzen…

Weg mit den martialischen Begriffen und den falschen Übersetzungen

Wieso kann man nicht von der guten alten Personalabteilung sprechen, die wesentlich bodenständiger und umfassender klingt als irgend ein “Head resp. Department of Talents”. Wir wissen vor allem aus dem Sport und aus der Kunst: Talent alleine reicht nicht. Man muss auch liefern. Dem Wort “Talent” haftet immer das Parfum der Jugend und eines Versprechens für die Zukunft an. Abgesehen davon ist das mit den “Talents” ein weiteres Problem, da das deutsche “Talent” vielleicht eine etwas andere Bedeutung als das englische Talent hat. So weist der Cambridge Dictionnary “talent” auch noch als Slangausdruck aus, der folgendes bedeutet: “people who are sexually attractive:There was plenty of talent at the party last night.”

Abgesehen von Konnotaten: Was ist mit jenen Mitarbeiter*innen die tagtäglich vollen Einsatz zeigen und vielleicht nicht so ganz (mehr) als Talent durchgehen? Diese dann unter dem Begriff Team zu subsumieren ist natürlich ok, aber wenig greifend – vor allem weil die Nachwuchskräfte ja auch Teil des Teams sind.

Zu guter Letzt: Leider wurde irgendwann einmal ein “War of talents” ausgerufen. Analog zu Managementstrategien, die auf großen Feldherren aufbauen (Clausewitz oder Sun Zu), wirken Kriegsmetaphern nie wirklich nachhaltig und langfristig stabilisierend; vor allem nicht, wenn man eine Unternehmenskultur installieren will, die den Menschen in den Vordergrund stellt.

Übrigens gilt dieser Befund auch für den Begriff “rekrutieren”, der zumindest im Deutschen eine immer noch militärische Konnotation besitzt. Witzigerweise ist der “Head Hunter” (nicht weniger martialisch) eindeutig mit Personalsuche konnotiert, weil es in Europa kaum Kopfgeldjäger im ursprünglichen Sinne zu geben scheint. Die Bedeutungsebene und der Kontext sind schon auch wichtig. Allerdings ist der Begriff Head Hunter trotzdem problematisch.

Einfach und unkompliziert bleiben

Machen wir uns die Dinge doch wieder einfach! Versuchen wir die Überhöhung und vermeintliche Attraktivitätssteigerung durch wohlklingende Titel beiseite zu schieben und nennen die “Kinder” wieder beim Namen. Versuchen wir doch auch uns von der Kriegssprache zu lösen, die uns wichtiger erscheinen lässt, als wir es sind. Und – aber dies gehört gesondert betrachtet – verlassen wir die Sprache der Versächlichung von Mitarbeiter*innen. Lassen wir ab von englischen Begriffen, wenn es die Unternehmenskultur und -Struktur nicht erfordert. Eine Personalabteilung sollte da Vorreiter sein. Kein “Sales Assistant” oder “Facility Manager” (wenn ein* Hausarbeiter*in ist gemeint) mehr, kein “Head of Whatever”. Keine HR-Abteilung wenn eine Personalabteilung es auch tut…

Und auch kein “Department of Talents, Team and Culture” wenn man einfach von Mitarbeiter*innenorganisation oder “Personalwesen” sprechen kann. Klingt zwar nicht sexy, tut es aber auch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Seite verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmen Sie zu! Datenschutzerklärung