Spielerberater*innen als Vorbild für die Personalberatung?

Vor einiger Zeit hatte ich die Zusammensetzung der Kampfmannschaft vom FC Admira Wacker Mödling und insbesondere die Einkaufspolitik unter Ernst Baumeister als optimales Beispiel für eine kluge Personalentwicklung für andere Branchen und Wirtschaftsbereiche dargestellt.

Das war noch bevor Felix Magath das Zepter schwang und der Trainerverbrauch in die Höhe schnellte.

Das Selbstverständnis den eigenen Nachwuchs hochzuziehen findet man auf hohem Niveau nur bei Red Bull Salzburg verwirklicht – obwohl auch andere Vereine aus Sparzwängen auf diesen Weg setzen. Frei nach dem Motto: Wenn kein Geld da ist, geben wir dem eigenen Nachwuchs eine Chance. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.

Fußball als Vorbild

Die Personalbeschaffung des operativen Personals funktioniert bei Profifußballvereinen nicht über ein Stelleninserat. Man setzt auf ein kompliziertes Geflecht aus Beziehungen, Vermittlern (ohne die es nicht mehr geht), ehemaligen Mitspielern etc. Eigentlich könnte man sagen, dass der Profifußball zum großen Teil als verdeckter Arbeitsmarkt mit den entsprechenden Abwerbungen funktioniert. Es ist kein großes Geheimnis, dass Spieler, die aus dem eigenen Nachwuchs kommen, deutlich günstiger sind, als Spieler, die ready-to-play von einem anderen Verein abgeworben werden. Vor allem deshalb weil verdienstvolle Spieler meist ihr Gehalt steigern können. Sie werden bezahlt für das was sie schon geleistet haben.

Anders als in anderen Wirtschaftsbereichen suchen Fußballagenturen junge (minderjährige) Spieler, die sie vertreten können – mit den entsprechenden prozentuellen Beteiligungen (beim Wiederverkauf, Ausbildungsentschädigungen, die dann später schlagend werden etc.) Der vielzitierte “War of Talents” ist im Fußball Realität.

Jan Wähnert hat in seinere Bachelorarbeit mit dem schönen Titel: “Der Personalmanagementprozess von Fußballvereinen: Können Unternehmen etwas davon lernen?” gezeigt, wie die Wechselwirkungen zwischen Unternehmen und Fußballvereinen sind und was andere Wirtschaftszweige vom Fußball lernen können. Wähnert vertritt die spannende Meinung, dass größere Unternehmen auf jeden Fall etwas vom Fußball in Sachen Personalbeschaffung lernen könnten. Er vergleicht die Scoutingabteilung im Fußball mit Headhuntern in anderen Wirtschaftszweigen – und kommt zum Schluss, dass Headhunter und Scouts ganz ähnlich arbeiten. Es ginge ja vor allem darum, Spieler aus anderen Vereinen respektive Führungskräfte von anderen Unternehmen abzuwerben. Spannend wäre es für Wähnert Scouts respektive angestellte Headhunter in die Personalabteilungen zu integrieren. Interessant ist, dass die Arbeit von Wähnert 2014 erschien. Damals wie heute setzen Fußballvereine auf externe Headhunter und auch die Unternehmen betreiben Active Sourcing, das im Wesentlichen eine Art Scouting ist, obwohl man noch mehr vom Fußballscouting übernehmen könnte (wie etwas das Beobachten über einen Zeitraum etc.)

Lukratives Business

Die Vermittlung von Fußballspielern ist ein lukratives Geschäft. Die Gehälter, die vor allem im Ausland bezahlt werden, stiegen in den letzten Jahren in schwindelerregende Höhen. Kein Wunder, dass in einem solchen Umfeld auch Goldgräber und Glücksjäger unterwegs sind.

Dass Spieler auch platziert werden und bei Vereinen vorgestellt werden ohne direkte Anfrage seitens des aufnehmenden Vereins ist sicherlich kein Novum. Auch in der Personaldienstleistung und -Beratung kommt das vor.

Die Wechselwirkungen zwischen Personalbeschaffung Fußball und Personalbeschaffung andere Wirtschaftszweige sind zum Teil sichtbar und es lohnt sich als Personaldienstleister und -Berater resp. als Recruiter oder Headhunter einen Blick auf das Spiel um den runden Ball zu werfen. Zwei Beispiele:

Sponsoring / Business Clubs

Auch bei Vereinen aus dem Amateurbereich kommt es vor, dass Sponsoring und Personalbeschaffung eng miteinander verbunden sind. Es ist ja nicht so, dass im Amateurbereich kein Geld fließt. So kann es sein, dass ein Unternehmen ausreichend Werbung auf den Banden und den Trikots machen darf, dafür aber auch schon mal die Mittel zur Verfügung stellt, wenn es darum geht Spieler für den Verein zu gewinnen.

Im Profibereich laufen die Wechelbeziehungen zwischen Fußball und anderen Bereichen über VIP-Clubs oder Businessclubs, wo man sich austauscht unterstützt. Die VIP-Clubs sind Netzwerkveranstaltungen unter dem Ehrenschutz des jeweiligen Fußballvereins. An einem Spieltag trifft man sich in der Vip-Lounge, isst, trinkt und genießt ein Match. (Ok gerade nicht aufgrund von Corona). Auch diese Clubs sind für die Personalbeschaffung ausgezeichnet – in Form von Employer Branding, Referenzencheck oder Direktansprache.

Der Fall Taxiachis Fountas

Auch ein Negativbeispiel soll zitiert werden. Was sich nun die Agenten des Stürmers Taxiarchis Fountas (SK Rapid) geleistet haben, ist schon eine neue Kategorie. Nicht nur, dass sich das Unternehmen als “Consulting”-Unternehmen vorstellt, nein man postet auf Instagram auch ein Foto, das nicht nur die Medienpräsenz um einen möglichen Transfer des Spielers hypen, sondern auch Druck auf die möglichen Geschäftspartner ausüben soll.

Unnötig zu sagen, dass den Fans dieses Vorgehen nicht wirklich schmeckt, vor allem deshalb, weil der Spieler ablösefrei zum SK Rapid kam. Und dies auch nur auf besonderen Wunsch des Trainers, der den Spieler schon bei Sankt Pölten betreute. Auch das Management des Vereins ist verärgert, da es Usus ist Gespräche hinter den Kulissen zu führen – und geleakte Infos nie direkt auf eine Partei zurück zu führen sind.

Corona: Werder Bremen will neue Wege gehen

Eine weitere interessante Nachricht kommt aus der deutschen Bundesliga. Den exorbitanten Spielergehältern will der deutsche Bundesligaclub Werder Bremen (auch so schön grün-weiß) in Corona-Zeiten einen Riegel vorschieben.

“Gestern kam aus Bremen die Meldung, Werder werde künftig eine „Pandemie-Klausel“ einbauen, vertraglich festgelegte Gehaltseinbußen, sollte ein Virus Pausen oder Geisterspiele erzwingen. „Auch die Spieler müssen ihren Teil zu der Bewältigung finanzieller Probleme beitragen“, sagt der Geschäftsführer des deutschen Bundesligaklubs. Der Markt beginnt umzusetzen, wonach die Moral schon längst verlangt.” Dies berichtete der Kurier am 17. August (Quelle).

Gehaltseinbußen bei den Spielern bedeuten natürlich auch weniger Geld für die Vermittlungsagenturen und Spielervermittler. Vielleicht werden wir also noch weiter ungewöhnliche “Spieleranpreisungen” erleben.

Die Wechselbeziehungen zwischen Profisport und anderen Wirtschaftszweigen sind auch im Personalbereich evident. Bleibt nur zu hoffen, dass die positiven Methoden Schule machen. Korbinian – unser Chef mit Klasse – übernimmt das Modell von MK Constulting bereits… Seufz.

korbinian ein chef mit klasse jobberie personaldienstleister
Korbinian ist offen für neue Ideen und setze sie gleich um. Leidtragend ist Herr Müller…

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