8 Tipps: Motivationsschreiben leicht(er) gemacht

Es gibt eine Vielzahl an Tipps für das richtige Bewerbungsschreiben respektive Motivationsschreiben. Viele sind brauchbar, einige weniger. Fast alle versprechen eine Zauberformel zu sein.

Das Wichtigste ist jedoch die Passgenauigkeit: Wenn ich mich als gelernte Zuckerbäckerin in einem Autohaus als Servicetechnikerin bewerbe, können meine Unterlagen noch so gepimpt oder gestylt sein. Passgenauigkeit ist nicht gegeben. Passgenauigkeit sollte zumindest in Ansätzen vorhanden sein, damit Ihre Bewerbung zum Erfolg führt.

Wenn dies gegeben ist, können Ihnen die folgenden Tipps das Bewerbungsleben erleichtern.

Tipp 1: Bewerbungs- und Motivationsschreiben sind ähnlich.

Sie werden sich jetzt sicher fragen, wie Ihnen dieser Tipp weiterhelfen soll? Ganz einfach. Sie haben sicherlich bisher gute Bewerbungsschreiben geschrieben, sind aber jetzt ein wenig angespannt, weil Sie ein “Motivationsschreiben” schreiben müssen. Keine Sorge. Wahrscheinlich haben Sie in Ihrem Bewerbungsschreiben schon viel Gutes drin. Die strenge Trennung zwischen Bewerbungsschreiben und Motivationsschreiben halte ich für obsolet. Die Formen verwischen. Vor allem im französischsprachigen Raum wird das Bewerbungsschreiben mit “lettre de motivation” also Motivationsbrief übersetzt.

Es gibt zwar noch immer (vor allem in Deutschland) Purist*innen, die meinen, dass das Motivationsschreiben die berühmte Seite 3 sei – also jene Seite, die man zusätzlich zum Lebenslauf und zum Anschreiben beilegt. Allerdings ist diese Trennung immer weniger von Belang. Oder anders formuliert: Was hilft mir ein tolles Motivationsschreiben (Seite 3), wenn mein Anschreiben und mein Lebenslauf nicht wirklich überzeugen. Daher bin ich überzeugt, dass wir das Motivationsschreiben als Anschreiben oder Bewerbungsschreiben verstehen sollten.

Tipp 2: Das Motivationsschreiben ist an keine Form gebunden

Einen Unterschied gibt es doch: Während das klassische Bewerbungsschreiben, die Briefform respektieren sollte, sind Sie beim Motivationsschreiben freier. Sie können “klassisch” in der Briefform bleiben, aber auch mit Aufzählungen und Überschriften arbeiten oder eine Mischform wählen.

Achten Sie nur darauf, dass Sie nicht zu lang werden (max. eine DINA4-Seite). Das Schreiben sollte auch nicht als Stückwerk rüber kommen, sondern gut und schnell lesbar sein.

Tipp 3: Ziel generiert Inhalt

Ein Motivationsschreiben verfolgt zwei Ziele: (1) Präsentation der eigenen Motivation für die Stelle (2) Interesse beim Gegenüber erzielen. Nicht mehr und nicht weniger. Das mag zwar platt und banal klingen, aber das Schreiben muss erst einmal zu Papier gebracht werden.

Auf karrierebibel.de werden Sinn und Zweck des Motivationsschreibens wie folgt beschrieben:

Kurzprofil: In diesem Fall erfüllt es eine zusammenfassende Funktion und soll dem Personaler ermöglichen, sich einen noch schnelleren Überblick der wichtigsten Facetten und Kompetenzen des Bewerbers zu verschaffen. Dabei geht es im Kurzprofil nicht nur um die Kernkompetenzen oder berufsspezifische Qualifikationen, sondern um alle Fähigkeiten, welche der Bewerber in seiner bisherigen schulischen oder beruflichen Laufbahn erwerben konnte. Selbst, wenn diese auf den ersten Blick nicht auf das neue Berufsfeld passen.

Motivation: Die zweite Variante ist die häufige gemeinte und genutzte. Hierbei wird vor allem noch einmal die Motivation für die Bewerbung betont und um wichtige Argumente erweitert, die so einfach nicht mehr ins Anschreiben gepasst hätten. Ebenso lassen sich dabei wichtige Stationen im Lebenslauf hervorheben und damit noch einmal die perfekte Passung für die Stelle unterstreichen.

https://karrierebibel.de/motivationsschreiben/

Wir halten uns an die Motivation. Was könnte mein Gegenüber interessieren? Keep it simple. Sie bewerben sich für eine Stelle? Der Grund, aus dem Sie sich bewerben, ist ja nicht ganz uninteressant.

Bitte betonen Sie jedoch nicht das Offensichtliche: “… weil ich arbeitslos bin…”, “weil ich einen Job brauche…”. Zu banal. Sie wollen neugierig machen. Dies gelingt natürlich inhaltlich und stilistisch. Bei den meisten Bewerbungsschreiben erzählen Sie “wie toll Sie halt sind”. Beim Motivationsschreiben reden Sie nicht nur von sich. Sie müssen auf Ihr Gegenüber eingehen… Oder wie es so schön heißt: Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. Um dies zu gewährleisten, gibt es einen Trick:

Tipp 3: Beantworten Sie für sich folgende Fragen:

  • Wieso bewerbe ich mich bei diesem Unternehmen für die eine ausgeschriebene Stelle?
  • Was bringe ich für die besagte Stelle mit? Was qualifiziert mich besonders für den Job?
  • Wie kann ich mich am besten ins Unternehmen einbringen und was hat mein zukünftiger Dienstgeber davon?

Man könnte den berühmten Spruch des ehemaligen u.s.-amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy: “Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann – fragt, was ihr für euer Land tun könnt” als Maxime für ein Motivationsschreiben abwandeln: Fragt nicht, was das Unternehmen für Euch tun kann – fragt, was ihr für das Unternehmen tun könnt.

Beantworten Sie also die oben genannten drei Fragen und Sie haben das Grundgerüst Ihres Motivationsschreiben. Zugegeben: Sie werden diese Übung für jede Bewerbung erneut durchführen müssen. Allerdings laufen Sie damit keine Gefahr, schlampige Bewerbungsschreiben vom Stapel zu lassen.

Zwecks der besseren Struktur können Sie die Fragen als Überschriften auch direkt einbauen und somit eine Art Inhaltsverzeichnis liefern, was die Lesbarkeit erleichtert. Hier einige mögliche Formulieren mit der JOBBERIE als Arbeitgeber.

  • Wieso bewerbe ich mich bei JOBBERIE?
  • Was mich aus meiner Sicht für die Stelle als Social Media-Experten qualifiziert?
  • Welche Vorteile haben Sie von einer möglichen Zusammenarbeit.?

Tipp 4: Ehrlichkeit währt nicht unbedingt am längsten…

Ich habe es schon angedeutet: Seien Sie nicht zu ehrlich. “Ich bewerbe mich, weil ich das Geld brauche”… oder “ich bewerbe mich, weil ich nichts anderes gelernt habe und von etwas leben muss” haben einen gewissen Charme. Sie werden jedoch zugeben, dass diese Aussagen ein wenig abschreckend wirken. Auch das Eingehen auf längere Krankheiten oder eine Vorstrafe kann problematisch sein. “Ich bewerbe mich, weil das Arbeitsmarktservice mir die Stelle vorgelegt hat” ist entwaffnend ehrlich, kann aber zu einem echten Bumerang werden – und eine Sperre wegen Vereitelung eines Stellenangebots nach sich ziehen, wenn der Personaler sich etwa über ihre “freche” Bewerbung beschwert. Denken Sie daran: Sie wollen das Interesse und bestenfalls das Wohlwollen Ihres Gegenübers wecken.

Es gibt jedoch auch Motivationen, die auf den zweiten Blick negativ sind. Nicht zu empfehlen ist:

  • über den letzten Arbeitgeber zu schimpfen
  • Mobbing als Wechselgrund anzugeben (auch wenn es noch so wahr und noch so verständlich ist)
  • immer neue Herausforderungen zu suchen (Ausnahme: Sie beschreiben sehr plausibel, warum Sie das Ende der Fahnenstange erreicht haben. Leute, die ständig neue Herausforderungen suchen, sind entweder schnell gelangweilt oder man traut diesen Personen wenig im Unternehmen zu.)
  • die ständige Suche nach Weiterentwicklung mit entsprechenden (berufsfremden) Weiterbildungen.
Jobberie Motivationsschreiben
Wenn Anspruch und Kreativität beim Bewerbungsschreiben / Motivationsschreiben auseinander driften

Tipp 5: Stilistisches

Genau wie beim klassischen Bewerbungsschreiben, beginnen Sie mit der Anrede und zwar mit der konkreten Person, an die die Bewerbung geht. Keine Damen, keine Herren, sondern Herr Müller oder Frau Jovanovic. Wissen Sie nicht an wen Sie die Bewerbung richten sollen, rufen Sie an. Vorzimmer und Telefonzentralen sind meist sehr hilfsbereit.

Kein Einstieg mit “Hiermit bewerbe ich mich…” oder “Bezugnehmend auf Ihr Inserat”… oder “Sie suchen einen loyalen und kreativen Mitarbeiter…” Das kennt man alles schon zu genüge. Es langweilt. Das ist ausgekocht wie ein paar alte Socken. Das lockt niemanden mehr hinter dem Ofen hervor!

Schreiben Sie einfach: frei nach der Formel “Keep It Short and Simple” (KISS). Versuchen Sie erst gar nicht Eindruck mit Schachtelsätzen, Fremdwörtern, die Sie nicht kennen oder einem hochtrabenden Stil zu erzielen. Versuchen Sie nicht zu imitieren, was Sie nicht können und was Sie auch nicht sind. Wenn wir schon dabei sind: Lassen Sie den Konjunktiv als Höflichkeitsform (“ich würde mich freuen”)… Sie freuen sich! Vermeiden Sie Passivkonstruktionen (“… wurde mir die Position als XY angeboten”). Lassen Sie auch Plastikwörter, die alles uns nichts bedeuten. Sie kennen keine Plastikwörter: Das Wort “teamfähig” ist ein solches, kreativ, lösungsorientiert etc. sind weitere. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Wenn wir schon bei den Plastikwörtern sind: Vermeiden Sie Behauptungen – bringen Sie Beispiele. Natürlich sind Sie teamfähig, haben Führungserfahrung und waren schon immer kreativ. Lassen Sie diese Etiketten beiseite. Schreiben Sie über Ihre konkrete Arbeit im Team, erzählen wie ihr Führungsstil ausgesehen hat oder wie sie eine kreative Lösung für ein Problem gefunden haben – und zeigen somit Ihren Mehrwert, ihre Persönlichkeit! Und wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Ihr Bewerbungsschreiben nicht zu viele Floskeln hat nutzen Sie die Ersatzprobe.

Die Ersatzprobe ist ein einfaches Verfahren, das Ihnen dabei hilft die Floskel- und Plastikwortdichte in Ihrem Anschreiben zu filtern.

Tipp 6: Große Konkurrenz. Stechen Sie heraus.

Natürlich kommt es durch den digitalisierten Bewerbungsprozess zu einem Mehr an Bewerbungen. Die Konkurrenz ist also größer als früher. Dennoch zeigt die Erfahrung, dass viele Bewerber*innen Standardbewerbungen verschicken. Trotz der zahlreichen Coachings und Bewerbungstrainings scheint die Anzahl der immer gleichen Bewerbungen sogar zu steigen. Ein allgemeines Anschreiben, ein Lebenslauf – vielleicht eine dritte Seite und Zeugnisse und raus mit der Bewerbung. Dies führt dazu, dass Bewerbungsschreiben und/oder Motivationsschreiben immer weniger ernst genommen werden und sehr oft nur überflogen werden. Der Lebenslauf wird zum Kernstück Ihrer Bewerbung.

Tipp 7: Bessere Motivationsschreiben bringen etwas

Der Schweizer Autor, Consultant und ehemalige Personalverantwortliche Jörg Buckmann bringt es auf den Punkt. Er hat sich 100 anonymisierte Anschreiben von 4 Unternehmen zu 6 Jobs geben lassen und ist darauf gekommen, dass gerade einmal 5 Prozent der Schreiben einen Mehrwert in Richtung Motivation hatten. Gemeint sind Schreiben aus denen klar wird, dass die Bewerber*innen sich mit dem Job und dem Unternehmen bei dem Sie sich bewerben, auseinander gesetzt haben. 5 Prozent bedeutet im Sample von Buckmann: 5 von 100 Bewerbungen.

Desweiteren würden 85/100 Bewerbungsschreiben in keiner Weise auf das Unternehmen eingehen und legen den Verdacht des Copy&Paste nahe. Er ist der Meinung, dass man das Motivationsschreiben lassen sein soll. Er empfiehlt zwei bis drei konkrete Fragen zum Unternehmen oder zum Job zu stellen, was sicherlich mehr Eindruck schinden würde!

Tipp 8: Lassen Sie jemand anderen das Bewerbungsschreiben kritisch lesen

Es lohnt sich immer eine zweite Meinung einzuholen. Sollten Sie jemanden an der Hand haben, der bereits Personal eingestellt hat… Jackpot. Lassen Sie ihn oder sie sich das Ganze ansehen und kritisches Feedback geben. Oder schauen Sie sich um: Es gibt viele Berater*innen, die wirklich Ahnung haben und investieren Sie ein bis zwei Stunden. Das kann wirklich helfen.

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