Mehr Arbeitslose im Jahr 2020

Mit dem (baldigen) meteorologischen Herbst, hat sich auch das konjunkturelle Sommerhoch ein wenig eingetrübt. Noch “läuft alles gut”, da die Binnennachfrage sehr hoch ist, aber dennoch…

Johannes Kopf rechnet in unterschiedlichen Interviews mit Auswirkungen auf den österreichischen Arbeitsmarkt. Vor allem bestimmte Personengruppen werden Schwierigkeiten bekommen, einen neuen Job zu finden, so der Vorstand des AMS.

Johannes Kopf (mal anders)

“(…) ich rechne aber damit, dass es in den nächsten Monaten in einzelnen Bundesländern bzw. bei verschiedenen von Ausgrenzung bedrohten Personengruppen wieder zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit kommen wird.”


(BZ; 04/05. September; Seite 22)

Allgemein wird für 2020 (noch) ein gutes Jahr für den Arbeitsmarkt prognostiziert. Dies läge an der Binnennachfrage, wie überall betont wird, und an der engeren Verflechtung des österreichischen Marktes mit den osteuropäischen Wirtschaft, die noch immer hohe Wachstumsraten hat.

Die größten Herausforderungen lägen vor allem bei den Langzeitarbeitslosen und im zunehmenden Trend zur Digitalisierung und Ökologisierung. Die Digitalisierung führe dazu, dass Unternehmen, die früher auf dem asiatischen Markt aktiv waren, ihre Produktionen wieder nach Europa verlegen würden – und somit auch wieder Jobs in der Produktion entstehen.

Verdrängungswettbewerb

Spannend sind Kopfs Aussagen zum Verdrängungswettbewerb. Es gäbe einen Verdrängungswettbewerb vor allem im Ostösterreich.

“Anders als bisher wurde aber nicht der Teurere durch den Billigeren, sondern der niedrig Qualifizierte durch den besser Qualifizierten ersetzt.”


(BZ; 04/05. September; Seite 22)

Lehre und Asyl

Aber auch in puncto Lehre für Asylwerbende lassen die Aussagen des AMS-Vorstandes aufhorchen. Johannes Kopf unterstützt die (derzeitige) Ansicht von Altbundeskanzler Kurz, dass jene Asylwerbende, die sich bereits in der Lehre befinden, diese auch fertig machen sollten. Dies ist jedoch nur eine Übergangslösung. Ferner sei er für die Klärung des jeweiligen Asyltstatus. Sollte eine hohe Anerkennungswahrscheinlichkeit gegeben sein, könnte man die Menschen rasch in den Arbeitsmarkt integrieren – auch ohne abgeschlossenes Verfahren. In diesem Punkt wird die Politik wahrscheinlich nicht mit Kopfs Vorstellung mitgehen: Aufenthaltsrecht und Arbeitsrecht sind sehr eng miteinander verbunden.

Klimawandel

Last but not least: Klimawandel. Auch in der Arbeitsmarktpolitik scheint der Klimawandel angekommen zu sein. Kopf verbindet das derzeitige wichtigste Thema mit den Bereichen Umqualifizierung und Umschulung. Allerdings wird auf dem Rücken des Klimawandels sehr viel verhandelt und die Diskussion mutet eher wie ein trojanisches Pferd an. Auch ohne Klimawandel sind Finanzierungsmittel für Umschulungen und Weiterbildungen dringend notwendig, da Menschen ohne Ausbildung öfters in die Arbeitslosigkeit fallen. Der Klimawandel ist natürlich ein wichtiges Thema und macht es vielleicht leichter die notwendigen Mittel bewilligt zu kommen.

Es ziehen also auch auf dem Arbeitsmarkt einige Wolken auf, die hier und da für trübere Aussichten sorgen werden. Allerdings sollte es sich nur um kleinere und sehr lokale Schauern halten. Insgesamt scheint das Gutelaute-Wetter auf dem österreichischen Arbeitsmarkt 2020 noch anzuhalten.

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