Interesse an der Lehrstelle vorhanden? Wie finde ich es heraus?

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Wenn Lehrlingsausbilder*innen darüber raunzen, dass sie keine Lehrlinge oder Auszubildenden finden, dann meinen sie meist, dass sie keine “geeigneten” Kandidat*innen finden würden. Dauert die Diskussion ein wenig länger, ist man schnell beim Thema “echtes Interesse für die Ausbildung” etc.

Wie finde ich heraus, ob der Bewerber oder die Bewerberin echtes Interesse hat?

Da gibt es eine einfache Technik: Haben Sie schon mal in einem Bewerbungsgespräch einem Bewerber oder einer Bewerberin ein zweites Jobangebot unterbreitet? Oder eine zweite Lehrstelle aus dem Hut gezaubert? Oder einen Hilfsjob angeboten?

Warum sollte ein*e Recruiter*in dies tun?

Um die Katze einmal aus dem Sack zu lassen, gleich einmal die Antwort: Wenn Sie herausfinden wollen, ob der oder die Bewerber*in ernsthaft an einem Ausbildungsangebot oder einer Lehrstelle interessiert ist, legen Sie einfach eine zweite Lehrstelle aus einem anderen Bereich oder einen Job, der relativ leicht, auch ohne die Ausbildung, zu erledigen ist, vor. Entscheidet sich der oder die Kandidat*in dann schnell um, können Sie davon ausgehen, dass man weniger am Inhalt der Ausbildung, sondern mehr an einem Ausbildungsplatz oder Job per se interessiert ist. Frei nach dem Motto: Hauptsache eine Lehrstelle, wurscht welche!

Zwei Beispiele aus der Praxis

Ich habe diese – zugegeben nicht ganz transparente – Technik bereits zweimal bereits eingesetzt: Beim ersten Mal sollte ich arbeitssuchende Kandidat*innen auswählen, die sich für eine Ausbildung resp. Umschulung zu Rechnungswesenassistent*innen beworben hatten. Viele von Ihnen wurden vom AMS (Agentur) geschickt. Um jene herauszufiltern, denen die Ausbildung an sich eher egal war, legten wir beim Gespräch einen einfachen Bürohelfer*innen-Job vor. Von den weit über 100 Kandidat*innen griffen einige wenige zu. Dies war jetzt kein Ausschlusskriterium, bildete jedoch einen wichtigen Eckpunkt in den Überlegungen, ob der oder die Kandidat*in in das Umschulungsprogramm aufgenommen wurden. Schließlich galt es ja auch das Durchhaltevermögen und die Ernsthaftigkeit der Bewerber*innen zu prüfen und die Plätze waren limitiert.

Ein zweites Mal griff ich auf die Technik während eines Lehrlingsrecruitings zurück. Hier war es relativ einfach. Tatsächlich standen zwei Lehrstellen beim selben Unternehmen zur Wahl. Ich nahm noch eine dritte fiktive Stelle, die aus einem anderen Bereich kam, zur Hand. Wenn ich am Telefon oder beim direkten Gespräch herausfinden wollte, ob Kandidat*innen sich bewusst für den einen oder anderen Lehrberuf entschlossen hatten, brachte ich die beiden anderen Lehrstellen ins Spiel.

Gab der Bewerber oder die Beweber*in an, sich auch für die anderen Lehrstellen zu interessieren, war dies ein starkes Indiz für eine Bewerbung unter dem Motto:”Ich brauche dringend eine Lehrstelle! Welche ist mir egal!” Natürlich war dies alleine keine Absagegrund, aber auch wieder ein Baustein für die Entscheidungsfindung.

Unethisch?

Sie mögen jetzt einwenden, dass diese Tipps unfair und ethisch verwerflich sind. Das mag schon sein. Ist es aber nicht genauso unfair, Interesse zu heucheln, wo keines besteht? Ist es nicht genauso unsauber, den Recruiter*innen zu erzählen, dass man sich bei keiner anderen Firma beworben habe oder dass der angebotene Lehrberuf schon immer ein Traumjob gewesen sei… In letzter Instanz ist es ein bisschen wie beim Pokern… Jeder versucht bis zu einem gewissen Grad zu bluffen.

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