Hire und fire in Corona-Zeiten?

Zahlen und Fakten zur angeblichen „Massenarbeitslosigkeit“ in der Arbeitskräfteüberlassung

„Die POST bringt allen was“ – selten hat sich ein Slogan so gegen ein Unternehmen gewendet. In den Paketverteilzentren der Post in Wien und Niederösterreich war ein Corona-Cluster aufgespürt worden. Schnell wurden die Schuldigen an den (medialen) Pranger gestellt. Es waren – wie so oft – die bösen „Leiharbeiter“ schuld an der Misere.

Abgesehen von dem herabwürdigenden Wort Leiharbeit, das vor allem von den Medien gerne weiter genutzt wird, wurden Behauptungen aufgestellt, die einfach nicht stimmen. Zeitarbeiter*innen oder überlassene Arbeitskräfte sind keine Selbstständigen und in vielen Fällen (vor allem in Niedriglohnbranchen) verdienen sie sogar mehr als die Stammkräfte des Unternehmens, bei dem sie eingesetzt sind. Das Arbeitskräfteüberlassungsgesetz ist streng.

Außerdem sind überlassene Arbeitskräfte mit der Stammbelegschaft gleichgestellt, was (nicht nur) den Arbeitnehmer*innenschutz betrifft… Auch das Vorurteil, dass die Arbeitskräfteüberlassung massiv von Arbeitslosigkeit betroffen ist, hält den Vergleich etwa mit der Gastronomie, der Hotellerie und anderen Branchen nicht stand. Interessant sind daher die Zahlen

Arbeitslosigkeit JOBBERIE
Der Zahlencheck mach schlau

Zahlen belegen: AKÜ bedeutet in Coronazeiten nicht automatisch arbeitslos zu sein…

Wir verwenden die offiziellen Zahlen des Sozialministeriums und beginnen mit den Aprilzahlen:

Arbeitslose Arbeitskräfteüberlassung österreichweit: 48.395
Zugänge Arbeitslose 7242
Abgänge Arbeitslose 6009

Mit anderen Worten: Bei über 520.000 Arbeitslosen im April war die Arbeitskräfteüberlassung sicherlich nicht jene Branche, die für den größten Teil der Arbeitslosigkeit sorgte. Auch war der Zuwachs im April vergleichsweise moderat. 7242 Personen, die der Branche zugeordnet werden, meldeten sich arbeitslos. Jedoch meldeten sich auch wieder 6009 Personen ab. Der Zuwachs betrug also 1133 Personen, was angesichts der allgemeinen Zahlen zwar noch immer zu hoch ausfiel, jedoch überschaubar blieb.

Die Zahlen im Mai

Arbeitslose Arbeitskräfteüberlassung österreichweit: 46452
Zugänge Arbeitslose 3810
Abgänge Arbeitslose 7188

Im Mai hat sich die Dynamik vollkommen verändert. Die Abgänge sind fast doppelt so hoch wie die Zugänge, was natürlich extrem erfreulich ist.

Wien ist mal wieder ein wenig anders. Aus Gesprächen mit KOlleg*innen und Kund*innen konnte man ablesen, dass Wien in puncto Dynamik deutlich gemächlicher agieren würde. Hier nun der Vergleich. Wir beginnen erneut mit dem April:

Arbeitslose Arbeitskräfteüberlassung in Wien: 18125
Zugänge Arbeitslose 2071
Abgänge Arbeitslose 1648

Der Anteil der arbeitslosen Mitarbeiter*innen in der Arbeitskräfteüberlassung ist in Wien sehr hoch. Die Zugänge sind jedoch vergleichsweise moderat im Vergleich mit den Abgängen. Der Mai zeigt ähnliche Zahlen

Arbeitslose Arbeitskräfteüberlassung in Wien: 18043
Zugänge Arbeitslose 1332
Abgänge Arbeitslose 1994

Das Plus der Abgänge ist recht deutlich, allerdings fängt es die Zuwächse aus dem April und dem Mai nicht auf. Dies erklärt, dass die Gesamtzahl der arbeitslos gemeldeten Zeitarbeiter*innen von April auf Mai nur wenig sinkt.

Spannend wird der Juni. Ich denke, dass wir da ein weiteres deutliches Minus bei der Gesamtzahl bemerken werden. Nicht zuletzt zeigen die Zahlen, dass ähnlich wie bei den Corona-Verordnungen, der Reality-Check sich lohnt.


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