Hidden Champions und Global Player aus Wien

Wenn man von “Global Player” spricht, denkt man vielleicht eher an Unternehmen wie Amazon, Google oder Coca-Cola. Vielleicht kommt einem aus österreichischer Sicht auch noch Red Bull in den Sinn. Aber auch in Österreich – speziell in Wien – gibt es Unternehmen, die weltweit aktiv sind und sich in ihrer Branche immer wieder einen Spitzenplatz sichern. Es gibt aber auch “Hidden Champions”.

Als Hidden Champions (heimliche Gewinner) werden mittelständische  Unternehmen bezeichnet, die in Nischen-Marktsegmenten Europa- oder Weltmarktführer geworden sind. Sie sind „heimliche Gewinner“, weil sie sowohl in der Öffentlichkeit kaum bekannt und in der Regel keine Aktiengesellschaften sind und so auch nicht von Analysten und Investoren beobachtet werden. Auch sind die von ihnen besetzten Nischenmärkte volumenmäßig meist so eng sind, dass sie von Konzernen nicht beachtet werden bzw. nicht mit diesen im Wettbewerb stehen.

Der Begriff wurde von Hermann Simon (1990) geprägt und hat sich in den letzten Jahren als Synonym für Wachstumsunternehmen in Deutschland durchgesetzt. Dieser Unternehmenstypus wird als Grund für den Exporterfolg der deutschen Wirtschaft gesehen. 

https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/hidden-champions-54015
Wien Global von Reinhard Engel

“In Wien global” präsentiert der langjährige CEE-Korrespondent Reinhard Engel 40 Wiener Unternehmen, die nicht nur in Europa, sondern auch auf anderen Kontinenten aktiv sind. Darunter befinden sich markante und bekannte Namen wie Siemens und Strabag, aber auch weniger bekannte Start Ups. Einige sind wahre Hidden Champions: oder hätten Sie gewusst, dass “Manner” nicht nur in Deutschland präsent ist, sondern bereits 1951 in die USA auslieferte. Und da wir schon von Essbarem reden. Hätten Sie gewusst, dass man Süßes und Saures aus Wien-Ottakring in den USA, Japan und China findet. Die Rede ist von Staud, ein Unternehmen, das noch immer am Wiener Brunnenmarkt beheimatet ist.

Gummihandschuhe statt Reifen

Auch wenn der Name “Semperit” schon lange keine Reifen mehr in Österreich herstellt, gibt es die Marke noch immer und zwar als einer der erfolgreichsten Herstellern von OP-Handschuhen, Handläufen für Rolltreppen oder Hochleistungsschläuchen zum Betanken für Flugzeuge. Semperit ist einer der wichtigsten Produzenten der Welt, wenn es um die genannten Produkte geht.

Das Buch “Wien Global” erschien 2015. Wie bei solchen Büchern üblich, sind nicht mehr alle Zahlen und Fakten aktuell. So steckt Opel in Wien nicht in den seidigsten Tüchern und muss Stellen abbauen. Der Markt ist sehr dynamisch – und Unternehmen können innerhalb von wenigen Quaralen ihre Spitzenpositionen einbüßen.

Der Wert des Buches ist jedoch unverkennbar. Es zeigt, dass Wien nicht nur ein Dienstleistungsstandort ist, sondern unterschiedlichste Unternehmen aus verschiedenen Branchen beherbergt. Das Buch zeigt aber auch in einem geschichtlichen Abriss, wie sich der Standort entwickelte und zwar über die mittlerweile nicht mehr existente und fast vergessene Seidenproduktion, über die Dampfmaschinen, den Thonetmöbeln bis hin zu Betriebsansiedlungen von GM oder Ottobock. Aber auch die Phillipsproduktion und deren Niedergang wird erwähnt. Somit ist das Buch auch ein Stück Wirtschaftsgeschichte.

Der im echomedia-Verlag erschienene Band erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Leser*innen werden Namen vermissen. Ich persönlich hätte Thomastik-Infeld – in seiner Funktion als globaler Musiksaitenproduzent – auch aufgenommen. Und so fehlen sicher noch andere Namen.

Dies zeigt jedoch eins: Wien ist sicherlich nicht nur die lebenswerteste Stadt der Welt, wie einige Studien zeigen, sondern durchaus weniger provinziell als viele vielleicht glauben. Man muss halt hin und wieder genauer hinschauen.

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