“Die Geringfügige” ist weiblich

Die “Geringfügige Beschäftigung” ist ein spezielles Dienstverhältnis. Sobald ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin weniger als 446,81 € pro Monat verdient (Stand 1019) , gilt er/sie als “geringfügig” angemeldet. Die Anmeldung bei der Sozialversicherung ist dabei Pflicht.

Diese spezielle Form des Dienstverhältnisses hat viele Vorteile: Arbeitgeber*innen können eine*n Mitarbeiter*in mehr oder weniger brutto für netto anstellen (Genaue Regelung: siehe Wissenswertes). Die Arbeitnehmer*innen haben ein Dienstverhältnis, das sie auch parallel zur Arbeitslose ausüben können. Die “Geringfügige” kann auch mit Teilzeitdienstverhältnissen kombiniert werden. Sie gilt ebenso als gutes Mittel um den Wiedereinstieg von karenzierten Personen in den Arbeitsmarkt zu gewährleisten – oder um den Anschluss an den Arbeitsmarkt nicht zu verlieren.

Geringfügige Beschäftigung sehr beliebt

Vor gut 20 Jahren waren österreichweit ca. 270.000 Menschen geringfügig beschäftigt. Im September 2019 waren es 272.098 Personen und im ersten Halbjahr 2019 etwas mehr als 350.000 Menschen. Man kann also mit Fug und Recht sagen, dass die geringfügige Beschäftigung eine Konstante auf dem österreichischen Arbeitsmarkt ist. Legt man diese Zahlen auf Vollzeitbeschäftigte um, darf man – grob geschätzt – davon ausgehen, dass die 272.098 geringfügigen Dienstverhältnisse etwas mehr als 60.000 Vollzeitbeschäftigungen entsprechen.

Geringfügigkeit ist weiblich

Die Anzahl der geringfügig beschäftigten Frauen ist deutlich höher als jene der Männer. Dies zeigen die Zahlen des Sozialministeriums. Auf das erste Halbjahr 2019 bezogen, sieht die Statistik wie folgt aus:

BundeslandMännerFrauenDifferenz
Burgenland306554642399
Kärnten7777141086331
Niederösterreich211563552714371
Oberösterreich169963398016984
Salzburg8873161667293
Steiermark180873049812411
Tirol10242201379895
Vorarlberg4991106255634
Wien36787425285741
k.A.40694844775
Ausland16872436749
Summe13373021631382583

Mit anderen Worten: 62,80 Prozent der geringfügig Angestellten waren weiblich, 38, 20 Prozent männlich.


Statistik: geringfügig Beschäftigte in Österreich
Quelle: BALI, Grafik: Jobberie

Wien ist anders

In Wien liegt die Zahl der männlichen geringfügigen Angestellten wesentlichen höher als in den anderen Bundesländern: nämlich bei gerundeten 46,4 Prozent. Dies begründet sichjetzt nicht unbedingt aus den klassischen Branchen, da Handel und Gastronomie in allen Bundesländern mit überdurchschnittlich viel geringfügigen Angestellten arbeiten. Aber in Wien greifen auch andere Berufsgruppen (verstärkt) auf geringfügige Beschäftigte zurück: Erziehung und Unterricht, aber auch Berufe, die man allgemein als kaufmännische Berufe bezeichnet – oder auch die Werbung. Weitere Gründe für den relativ geringen Unterschied in Wien können nur vermutet werden.

Wissenswertes:

Für regelmäßig geringfügig Beschäftigte gelten folgende Punkte:

  • das Urlaubsrecht
  • Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall
  • das Recht auf Pflegefreistellung
  • das Recht auf Abfertigung
  • Ansprüche auf Sonderzahlungen (Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld) gemäß KV
  • Dienstgeberkündigung: 6 Wochen
  • Eigenkündigung: 1 Monat (siehe KV)
  • keine Arbeitslosenversicherung
  • Gesundheits- und Pensionsversicherung (bei Selbstversicherung)
  • Unfallversicherung
  • Dienstgeber*innen: bei mehr als 1 geringfügig Beschäftigten beträgt die monatliche Lohnsumme (ohne Sonderzahlungen) aller geringfügig Beschäftigten das 1,5-fache der Geringfügigkeitsgrenze (für 2019: € 446,81 x 1,5 = € 670,21).

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