Bleibt es doch bei “Human Resource” oder “Human Capital”? Sprache und Denken.

Vielleicht ist es tatsächlich eine Diskussion, die “etwas lösen soll, das einfach nicht mehr aktuell” sei. So jedenfalls die Einschätzung von Claudia Lorber vom Recruiting Service Claudia Lorber. Der Begriff “HR” decke zu viele Bereiche ab, als dass man dies mit einem Wort umschreiben könne, argumentiert sie weiter. Birk Alwes, Head of Recruiting bei Hammerer Aluminium, meint sogar: “Es geht doch nicht um die Bezeichnung, sondern um die Haltung und den Mindset. Eine Umbenennung ändert gar nichts.”

Die Diskussion, die von Jakob Steinschaden in einem Blogbeitrag angestoßen und von mir in die Facebook-Gruppe HR Austria getragen wurde, brachte doch einige Erkenntnisse bezüglich Terminologie und Selbstverständnis von Mitarbeiter*innen aus dem Personalbereich. Die von Birk Alwes angesprochene Thematik ist in Wirklichkeit die Frage nach der Henne und dem Ei. Bestimmt Sprache unsere Haltung und unser Denken oder ist die Sprache ein Produkt unseres Mindsets – oder ist die Beziehung nicht wirklich vorhanden.

Ein kleiner Exkurs

Schon Wilhelm von Humboldt (1767-1835) wies bereits vor gut 250 Jahren auf die Wechselwirkungen von Sprache und Geist, wie er es nannte, hin. Sprache und Gedanken sind laut Humboldt sogar eins. Wie genau jedoch die Wechselwirkung zwischen Sprechen und Denken funktioniert, wird noch immer diskutiert. Seit den 1930er Jahren wird diese Position oft den amerikanischen Linguisten Edward Sapir (1884–1939) und Benjamin Lee Whorf (1897–1941) zugeschrieben. Mittlerweile ist diese Punkt in der Forschung gut dokumentiert. Lera Boroditzky, Associate Professor in Standord und San Diego, schrieb in einem Artikel über Sprache und Denken:

“All diesen Forschungsergebnissen zufolge wirken die Kategorien und Unterscheidungen, die in speziellen Sprachen existieren, stark auf unser geistiges Leben ein. Was die Forscher “Denken” nennen, ist offenbar in Wirklichkeit eine Ansammlung linguistischer und nichtlinguistischer Prozesse. Demnach dürfte es beim Erwachsenen kaum Denkvorgänge geben, bei denen die Sprache keine Rolle spielt. Ein Grundzug menschlicher Intelligenz ist ihre Anpassungsfähigkeit – die Gabe, Konzepte über die Welt zu erfinden und so abzuändern, dass sie zu wechselnden Zielen und Umgebungen passen.” (Spektrum 11/2012)

Man kann also unser Tun, unsere Haltung und unser Weltbild nicht ganz von der Sprache loskoppeln. Diese Thematik ist auch in den Gender Studies mittlerweile common sense, wo ja die Diskussion um einen Binnen-I oder korrekte Berufsbezeichnungen je nach Geschlecht immer wieder die Wellen hochgehen lässt.

Interessante Umfrageergebnisse

Die Umfrage in der Facebookgruppe HR Austria brachte interessante Ansätze.

  • 10 User*innen waren der Meinung, dass der Begriff “Human Resource” ersetzt werden soll.
  • 6 User*innen teilen die Einschätzung, dass der Begriff bleiben soll
  • 3 User*innen stimmen für den Alternativvorschlag: “Human Relations”
  • Weitere Vorschläge: “People & Culture”, “Human Potential” oder “People Relation Management”

Die Diskussion ist also doch etwas bunter. Die Begriffe und das gemeinsame Tun zu hinterfragen, ist sowieso nicht schlecht. Ich danke allen, die sich an der Diskussion beteiligt haben.

Auch wenn die Umfrage keinen Anspruch auf Repräsentativität hat, so zeigt sie vielleicht doch, dass es nicht ganz so unwichtig ist, welches “Pickerl” an der Tür klebt oder welche Berufsbezeichnung auf meiner Visitenkarte steht.

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